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Okt. 14, 2026 .

International E-Waste Day: Knapp eine Million Tonnen zurückgenommen – stiftung ear wehrt sich gegen Systemwechsel und Strafen

Der 14. Oktober ist der International E-Waste Day – und die stiftung elektro-altgeräte register (stiftung ear) nutzt den Tag für eine Bestandsaufnahme: Rund 961.000 Tonnen Elektroaltgeräte wurden 2025 in Deutschland zurückgenommen, ein Lkw-Konvoi von Essen bis Berlin. Dem stehen knapp 3,4 Millionen Tonnen neu in Verkehr gebrachte Elektro- und Elektronikgeräte gegenüber. Das EU-Ziel von 65 Prozent nach der WEEE-Richtlinie bleibt damit weit entfernt – die vorläufige Quote für 2025 liegt bei 29,8 Prozent.

Bemerkenswert ist weniger die Zahl als der Ton: Die Stiftung, die als gemeinsame Stelle der Hersteller das deutsche Rücknahmesystem koordiniert, verteidigt das bestehende Modell offensiv – gegen Forderungen nach voller Herstellerverantwortung, gegen Bußgelder und gegen die Quote selbst. Parallel laufen noch bis zum 18. Oktober die Aktionswochen „Jeder Stecker zählt! Deutschland sammelt E-Schrott“.

Recycling und IT-Remarketing – Kreislaufwirtschaft

Die Zahlen hinter der Quote

Die Inverkehrbringungsmenge ist in den vergangenen Jahren von rund drei auf knapp 3,4 Millionen Tonnen gestiegen – vor allem wegen Photovoltaikmodulen, die seit 2016 unter das Elektrogesetz fallen. Ihre Menge hat sich seither versechsfacht; sie machen inzwischen mehr als ein Viertel der gesamten Neuware aus, kommen aber wegen ihrer langen Lebensdauer erst in Jahren als Altgeräte zurück. Da die Sammelquote die Rücknahme ins Verhältnis zum Durchschnitt der drei Vorjahre setzt, drückt allein dieser Effekt die Quote rechnerisch nach unten.

Als weitere Gründe nennt die Stiftung längere Nutzungsdauern – auch durch Reparaturcafés – sowie den Export gebrauchter Geräte zur Weiterverwendung, vor allem von professioneller Technik. Beides sei ökologisch und ökonomisch sinnvoll, senke aber die in Deutschland gemessene Rücknahmemenge.

Streit um die Reform: Herstellerverantwortung oder Bestandssystem?

Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe fordern seit Jahren eine Neuausrichtung des Elektrogesetzes hin zu voller Herstellerverantwortung mit Organisationen für Herstellerverantwortung (OfH), die Sammlung und Verwertung organisieren und finanzieren – flankiert von Sanktionen bei verfehlten Quoten. Die stiftung ear hält dagegen: Ein Systemwechsel ändere an Photovoltaik, längerer Nutzung und Exporten nichts, und auch EU-Staaten mit OfH-Systemen verfehlten ihre Ziele. Bußgelder oder der Entzug von Betriebsgenehmigungen würden kein einziges Altgerät zusätzlich einsammeln, aber bestehende Entsorgungsstrukturen gefährden.

Stattdessen plädiert die Stiftung dafür, die Aussagekraft der Quote zu überprüfen und sie differenzierter zu gestalten, Rückgabewege regelmäßig am Verhalten der Menschen zu messen und Hürden abzubauen. Die Entscheidung fällt letztlich in Brüssel: Die EU-Kommission will am 11. November den Circular Economy Act vorlegen, der auch die WEEE-Richtlinie und damit die Sammelziele überarbeiten soll.

Was das für gewerbliche IT bedeutet

Zwei Punkte aus der Mitteilung betreffen Unternehmen direkt. Erstens die Exporte: Gebrauchte Profi-Geräte, die ins Ausland zur Weiterverwendung gehen, sind ökologisch meist die beste Option – sie ersetzen dort eine Neuproduktion. Voraussetzung ist ein dokumentierter Weg: Datenlöschung mit Nachweis, Funktionsprüfung, Grading und ein Verbleibsnachweis, damit aus Wiederverwendung kein illegaler Abfallexport wird. Zweitens die Akkus: Die Aktionswochen stellen Lithium-Ionen-Akkus in den Mittelpunkt, weil beschädigte Zellen Brände auslösen und Entsorgungsanlagen lahmlegen. Notebooks, Smartphones und Tablets aus Unternehmen gehören deshalb in Rücknahmewege mit Akkukompetenz – nicht in den Sperrmüll und nicht jahrelang ins Lagerregal, wo Akkus altern und aufquellen.

Gewerbliche Altgeräte sind dabei der Teil der Lücke, der sich am einfachsten schließen lässt: Sie fallen zentral an, sind inventarisiert und haben einen Restwert. Jedes Gerät, das über einen dokumentierten ITAD-Prozess erfasst, gelöscht und wiederverwendet oder recycelt wird, zählt – im Gegensatz zum Gerät im Lager.

Aktionswochen: Was Unternehmen mitnehmen können

„Jeder Stecker zählt“ richtet sich an Kommunen und Verbraucher, lässt sich aber im Betrieb spiegeln: eine Sammelaktion für private Alt-Handys der Belegschaft – laut Bitkom liegen in deutschen Haushalten rund 167 Millionen ungenutzte Mobiltelefone –, eine Inventur der eigenen Lagerbestände und ein fester Termin für die nächste Ausmusterung. Der Nebeneffekt ist messbar: vermiedener Elektroschrott in Kilogramm und vermiedene CO₂e-Emissionen, ausgewiesen im ESG-Bericht des ITAD-Partners.

Fazit

Fast eine Million Tonnen sind viel – und trotzdem weniger als ein Drittel dessen, was neu auf den Markt kommt. Ob die Lösung im Systemwechsel oder in besseren Rückgabewegen liegt, wird die EU-Reform zeigen. Unternehmen müssen darauf nicht warten: Wer seine IT dokumentiert in den Kreislauf zurückführt, verbessert die Statistik, schont Ressourcen und liefert die Kennzahlen, die Nachhaltigkeitsberichte verlangen.

Quellen: stiftung elektro-altgeräte register, Pressemitteilung „Ein Erfolg, auf dem wir aufbauen können: Deutschland sammelt viel E-Schrott“ (14.10.2026); stiftung ear, Aktionswochen „Jeder Stecker zählt!“ (05.–18.10.2026); Deutsche Umwelthilfe, Pressemitteilungen zum Elektrogesetz (2025/2026); Bitkom, „Deutsche horten 167 Millionen Alt-Handys“ (April 2026); EUWID Recycling und Entsorgung (01.10.2026).

FAQ

Warum ist die Sammelquote so niedrig, obwohl fast eine Million Tonnen gesammelt werden?

Weil die Quote die Rücknahme ins Verhältnis zur Neuware der drei Vorjahre setzt – und die wächst, vor allem durch langlebige Photovoltaikmodule. Dazu kommen längere Nutzungsdauern und Exporte gebrauchter Geräte, die in Deutschland nicht als Rücknahme zählen.

Zählt die Wiederverwendung im Ausland in die deutsche Quote?

Nein. Exportierte Gebrauchtgeräte fehlen in der deutschen Rücknahmemenge, obwohl die Weiterverwendung ökologisch sinnvoll ist. Für Unternehmen ist wichtig, dass der Export als Wiederverwendung dokumentiert ist – mit Funktionsprüfung, Löschnachweis und Verbleibsnachweis.

Was ist bei Akkus in ausgemusterter IT zu beachten?

Lithium-Ionen-Akkus dürfen weder in den Restmüll noch unkontrolliert gelagert werden. Notebooks, Tablets und Smartphones sollten zeitnah über einen Rücknahmeweg mit Akkukompetenz abgegeben werden – versiegelt transportiert, mit Übergabeprotokoll und fachgerechter Behandlung beschädigter Zellen.

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