Windows 10: Das erste ESU-Jahr endet heute – Privatgeräte bekommen Updates kostenlos bis 2027, Unternehmen zahlen ab jetzt das Doppelte
Ein Jahr nach dem offiziellen Support-Ende endet heute, am 13. Oktober 2026, das erste Jahr der Extended Security Updates (ESU) für Windows 10. Für Privatgeräte hat Microsoft die Frist Ende Juni ohne großes Aufsehen verlängert: Windows 10 Home und Pro (Version 22H2) erhalten Sicherheitsupdates nun kostenlos bis zum 12. Oktober 2027 – im Europäischen Wirtschaftsraum ohne die anderswo geforderten Zusatzbedingungen wie Cloud-Backup oder Rewards-Punkte.
Für Unternehmen gilt das nicht. Geräte mit Windows 10 Enterprise, in Domänen eingebundene Pro-Geräte und per Mobile-Device-Management verwaltete Systeme bleiben im kostenpflichtigen Programm – und dort beginnt am 14. Oktober das zweite Jahr zum doppelten Preis. Laut StatCounter lief Windows 10 im September 2026 weltweit noch auf 27,8 Prozent aller Windows-Desktops, Windows 11 auf 71,4 Prozent.
Was sich für Privatgeräte ändert – und was nicht
Die Verlängerung gilt für einzelne Geräte mit Windows 10 Home oder Pro 22H2, die weder in eine Domäne eingebunden noch zentral verwaltet werden. Die Anmeldung läuft über den Assistenten in den Windows-Update-Einstellungen; im EWR ist sie kostenlos, außerhalb bleibt es bei Microsoft-Konto, Rewards-Punkten oder einer einmaligen Gebühr. Es gibt weiterhin ausschließlich Sicherheitsupdates – keine neuen Funktionen, keinen technischen Support und keine Garantie, dass Anwendungen von Drittanbietern Windows 10 noch lange unterstützen.
Für kleine Betriebe, die Pro-Geräte ohne Domäne nutzen, ist die Verlängerung eine echte Atempause. Sie sollte aber nicht mit einer Lösung verwechselt werden: Der Weg führt auch dort zu Windows 11 – oder zur Ausmusterung.
Die Rechnung für Unternehmen
Das kommerzielle ESU-Programm kostet im ersten Jahr rund 61 US-Dollar je Gerät, im zweiten Jahr 122 Dollar und im dritten 244 Dollar – zusammen etwa 427 Dollar pro Gerät bis Oktober 2028. Für eine Restflotte von 500 Geräten bedeutet das zweite Jahr allein rund 61.000 Dollar, über die Gesamtlaufzeit mehr als 200.000 Dollar. Dafür bekommt man ein Betriebssystem, das Microsoft nur noch notdürftig absichert.
Dem steht der Restwert gegenüber: Ein drei bis vier Jahre altes Business-Notebook erzielt im Remarketing derzeit – auch wegen der knappen Speicherbausteine – spürbar mehr als noch 2025. Wer die ESU-Gebühr für ein Gerät zahlt, das zugleich an Wert verliert, zahlt in der Regel doppelt. Die Ausnahme sind Spezialsysteme, die aus Software- oder Zertifizierungsgründen nicht migriert werden können; für sie ist ESU gedacht.
Compliance: Ungepatchte Systeme sind ein Prüfungsthema
Seit Dezember 2025 ist NIS2 in Deutschland in Kraft, Anfang 2026 endete die Registrierungsfrist für rund 29.500 Unternehmen. Risikomanagement nach NIS2 und Standards wie ISO/IEC 27001 setzen voraus, dass eingesetzte Systeme Sicherheitsupdates erhalten. Ein Windows-10-Gerät ohne ESU-Vertrag ist ab heute ein dokumentationspflichtiges Risiko – und ein Thema für den nächsten Audit, den Cyber-Versicherer oder den Datenschutzbeauftragten.
Auch die Datenschutz-Grundverordnung verlangt den Stand der Technik. Dass Angreifer gezielt nach ungepatchten Altsystemen suchen, hat das Jahr seit dem Support-Ende mehrfach gezeigt. Für Verantwortliche heißt das: Restbestände jetzt inventarisieren, migrieren oder ausmustern – nicht abwarten.
Jetzt ausmustern: So wird aus dem Windows-10-Bestand Budget
Erstens Bestand und Windows-11-Fähigkeit prüfen: Geräte mit TPM 2.0 und unterstütztem Prozessor werden migriert, der Rest wird ausgemustert. Zweitens die Altgeräte bewerten – nach Modell, Prozessorgeneration, Arbeitsspeicher, SSD und Zustand. Drittens den Prozess dokumentieren: Abholung mit Übergabeprotokoll, Datenlöschung mit zertifizierter Blancco-Software und Löschprotokoll je Datenträger, anschließend Wiederverwendung oder fachgerechtes Recycling mit Nachweis.
Geräte, die Windows 11 nicht unterstützen, sind deshalb nicht wertlos: Im Remarketing laufen sie mit Linux oder ChromeOS Flex weiter, in Bildungsprojekten oder bei Nutzern mit geringeren Anforderungen. Entscheidend ist, dass sie das Haus mit Löschnachweis verlassen. Unsere Checkliste zur IT-Ausmusterung beschreibt die sieben Schritte im Detail.
Fazit
Microsofts Verlängerung für Privatgeräte ändert für Unternehmen nichts: Ab dem 14. Oktober kostet jedes verbliebene Windows-10-Gerät das Doppelte – oder es läuft ohne Sicherheitsupdates. Beides ist teurer als eine saubere Ausmusterung. Wer den Restbestand jetzt inventarisiert, migriert oder verkauft, verwandelt ein Compliance-Risiko in Budget für die nächste Gerätegeneration.
Quellen: Microsoft, „Extended Security Updates (ESU) für Windows 10“ und redaktioneller Hinweis zur Verlängerung vom 25.06.2026; Borncity, „Windows 10: Microsoft verlängert kostenloses ESU bis Oktober 2027“ (26.06.2026); heise online (26.06.2026); Dr. Windows, ESU-FAQ (Stand 07.07.2026); StatCounter, Desktop Windows Version Market Share Worldwide (September 2026); Microsoft, kommerzielle ESU-Preise (2024).
Gilt die kostenlose Verlängerung bis 2027 auch für Firmen-PCs?
Nein. Sie gilt nur für einzelne Geräte mit Windows 10 Home oder Pro 22H2, die nicht in eine Domäne eingebunden und nicht zentral verwaltet werden. Enterprise-, Education- und verwaltete Pro-Geräte brauchen das kostenpflichtige ESU-Programm.
Was kostet ESU für Unternehmen im zweiten Jahr?
Rund 122 US-Dollar je Gerät (Jahr 1: 61 Dollar, Jahr 3: 244 Dollar). Das Programm ist auf drei Jahre bis Oktober 2028 begrenzt; Windows 10 IoT Enterprise LTSC 2021 wird davon unabhängig bis 2031 unterstützt.
Was passiert mit PCs, die Windows 11 nicht unterstützen?
Sie sollten dokumentiert ausgemustert werden: Datenlöschung mit zertifizierter Software, Löschprotokoll je Datenträger, dann Wiederverwendung mit alternativem Betriebssystem oder Recycling. Viele dieser Geräte erzielen im Remarketing noch einen Restwert.




