PC-Markt bricht um mehr als 20 Prozent ein – Speicherpreise machen Neugeräte teurer und gebrauchte Business-IT wertvoller
Die Marktforscher sind sich selten so einig: Nach Zahlen von IDC sind die weltweiten PC-Lieferungen im dritten Quartal 2026 um 20,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen – das sind 15,8 Millionen Geräte weniger. Gartner kommt auf 55,4 Millionen ausgelieferte PCs und ein Minus von 22,4 Prozent, ein Niveau wie zuletzt Anfang 2023. Gegenüber dem zweiten Quartal ging es um 9,1 Prozent nach unten, obwohl das dritte Quartal saisonal normalerweise das stärkere ist.
Der Grund ist kein Nachfrageeinbruch, sondern ein Angebotsproblem: Arbeitsspeicher und Flash-Speicher sind knapp und teuer, weil die Hersteller ihre Kapazitäten auf KI-Rechenzentren ausrichten. „The impact of higher memory and storage costs is now fully reflected in PC pricing“, fasst Gartner-Analystin Namrata Banerjee zusammen. Und ein Ende ist nicht in Sicht.
Die Zahlen im Detail
Alle großen Hersteller verlieren: Lenovo liegt laut IDC bei minus 22,6 Prozent, HP bei minus 30,9 Prozent, Dell bei minus 25 Prozent. Apple kommt mit minus 11,3 Prozent (Gartner: minus 7,1 Prozent) vergleichsweise glimpflich davon und gewinnt Marktanteile. IDC-Analyst Jitesh Ubrani erklärt den steilen Absturz auch mit Vorzieheffekten: Händler und Unternehmen hatten in der ersten Jahreshälfte Lager aufgebaut, um den angekündigten Preiserhöhungen zuvorzukommen – diese Nachfrage fehlt jetzt.
Gartner beobachtet zudem eine Verschiebung im Einkaufsverhalten: Weil günstige Konfigurationen kaum noch angeboten werden, kaufen Unternehmen gezielt – Workstations, KI-PCs, Einzelfälle – statt ganze Flotten zu erneuern. Anders als in früheren Abschwüngen sind also nicht volle Lager das Problem, sondern zu teure Komponenten.
Warum Speicher der Engpass bleibt
TrendForce erwartet für das vierte Quartal 2026 weitere Preissteigerungen bei Vertragspreisen: 10 bis 15 Prozent für DRAM und 15 bis 20 Prozent für NAND-Flash gegenüber dem Vorquartal. Treiber ist die Nachfrage der Cloud-Anbieter nach Server-DRAM und Enterprise-SSDs für KI-Inferenz; die Hersteller verlagern ihre modernste Fertigung dorthin. Für PC-DRAM rechnet TrendForce auch 2027 mit einem knappen, womöglich sogar sinkenden Angebot.
Wie drastisch die Entwicklung ist, zeigen Einzelbeispiele aus dem Handel: 128 Gigabyte DDR5-Arbeitsspeicher kosteten im Oktober bis zu 3.399 US-Dollar, einzelne Module haben sich seit 2025 um mehrere hundert Prozent verteuert. Micron hat seine Endkundenmarke Crucial bereits Ende 2025 eingestellt, um sich auf Rechenzentren zu konzentrieren. Wann sich die Lage entspannt, ist umstritten: Micron spricht von mehreren Jahren, Acer-Chef Jason Chen erwartet fallende PC-Preise ab der zweiten Hälfte 2027, wenn neue chinesische Speicherkapazitäten anlaufen.
Folgen für Beschaffung und Refresh-Zyklen
Für IT-Verantwortliche verschiebt sich die Rechnung in zwei Richtungen. Neugeräte werden teurer und sind in günstigen Ausstattungen schwer zu bekommen – viele Unternehmen strecken deshalb ihre Refresh-Zyklen. Gleichzeitig gewinnen gebrauchte Business-Notebooks an Wert: Ein drei Jahre altes Gerät mit 16 Gigabyte RAM und 512-Gigabyte-SSD ist in einem Markt, in dem genau diese Komponenten knapp sind, ein gefragtes Produkt. Im Remarketing lassen sich für gängige Business-Modelle derzeit spürbar höhere Restwerte erzielen als vor einem Jahr.
Beides spricht dafür, Bestände aktiv zu managen statt sie abzuwarten: Geräte, die ohnehin ausgetauscht werden, sollten jetzt bewertet und verkauft werden – solange Speicher knapp ist, nicht erst, wenn 2027 neue Kapazitäten den Markt beruhigen. Und wer den Refresh streckt, sollte Sicherheitsanforderungen im Blick behalten: Ein Gerät ohne Windows-11-Fähigkeit ist auch mit viel RAM kein Dauerzustand.
Was IT-Verantwortliche jetzt tun können
Erstens den Bestand nach Restwert sortieren – Modell, Prozessorgeneration, RAM, SSD, Zustand – und die Geräte mit dem höchsten Marktwert zuerst in die Vermarktung geben. Zweitens den Zeitpunkt nutzen: Trade-in-Modelle, bei denen der Altgerätewert in die Neubeschaffung eingerechnet wird, federn den Preisaufschlag ab. Drittens den Prozess sauber halten: Datenlöschung mit zertifizierter Software und Löschprotokoll je Datenträger, damit die Geräte ohne Risiko ein zweites Leben bekommen. Wer eine erste Orientierung sucht, bekommt mit dem Schätzwert-Calculator einen indikativen Restwert.
Fazit
Der Einbruch des PC-Marktes ist eine Preisgeschichte, keine Nachfragekrise – und sie wird Beschaffung und Verwertung noch länger prägen. Teure Neugeräte und knapper Speicher machen gebrauchte Business-IT zum gefragten Gut. Unternehmen, die ihre Altgeräte jetzt bewerten und dokumentiert zurückführen, sichern sich Restwerte, die es 2025 so nicht gab.
Quellen: IDC, Worldwide Quarterly Personal Computing Device Tracker, vorläufige Zahlen 3Q26 (08.10.2026); Gartner, Pressemitteilung zu PC-Lieferungen 3Q26 (Oktober 2026); TrendForce, „AI Server Demand Sustains Memory Contract Price Increases in 4Q26“ (30.09.2026); Tom’s Hardware (09.10.2026); CXOtoday (12.10.2026).
Wann normalisieren sich die Speicherpreise wieder?
Darüber gehen die Einschätzungen auseinander. TrendForce erwartet auch 2027 ein knappes PC-DRAM-Angebot, Micron spricht von einer mehrjährigen Knappheit, Acer rechnet mit Entspannung ab der zweiten Jahreshälfte 2027. Sicher ist nur: Kurzfristig bleibt Speicher teuer.
Steigen die Ankaufspreise für gebrauchte Notebooks tatsächlich?
Tendenziell ja – vor allem für Business-Modelle mit 16 Gigabyte RAM oder mehr und SSDs ab 512 Gigabyte. Entscheidend bleiben Modell, Prozessorgeneration, Zustand und Stückzahl. Eine verbindliche Bewertung gibt es auf Basis Ihrer Geräteliste.
Sollten wir den Hardware-Refresh verschieben?
Für Geräte, die Windows 11 unterstützen und sicher betrieben werden können, kann ein Jahr Aufschub sinnvoll sein. Geräte ohne TPM 2.0 oder mit auslaufendem Support sollten dagegen nicht länger im Einsatz bleiben – hier lohnt sich der Verkauf jetzt, solange die Restwerte hoch sind.




